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DIE RAGDOLL Ein sanfter Riese Und sie ist doch "nur" eine ganz normale, robuste Katze mit liebenswerten Eigenschaften. Man nehme ein paar schöne Katzen, gebe den Jungtieren einen erstaunlichen Namen, wickle sie in ein Netz abenteuerlicher Geschichten, verschnüre alles markt- und absatzgerecht und schon floriert das Geschäft mit einer neuen Katzenrasse. So hatte sich einst die erste Züchterin
der Ragdoll, Ann Baker aus Riverside in Kalifornien, die Sache mit der Ragdoll vorgestellt. Völliger Blödsinn sind dagegen so manche andere Geschichten, die die Rasse- Gründerin ausgestreut hatte. So erzählte sie, daß die Ragdolls träge, bewegungfaule und überdies schmerzunempfindliche Tiere wären. Eigenschaften, die die Ur-Katze "Josephine" nach einem Autounfall erworben und weitervererbt hätte. Sie hätte - laut Ann Baker - durch den Unfall einen Teil ihres Gehirns verloren. Dennoch überlebte sie und zeigte fortan einen außerordentlich sanften Charakter und wäre überdies nicht mehr schmerzempfindlich gewesen. Auch wenn Josephines Charakter durch das Schock-Erlebnis verändert war, so kann ein Unfall dennoch nicht das Erbgut verändern. So etwas ist biologisch überhaupt nicht möglich. Hätte Josephine in einem Röntgen-Labor gelebt, wäre die Geschichte glaubhafter gewesen. Aber abgesehen davon, daß nicht nur die Story Unsinn ist, es stimmt auch nicht, daß die Ragdoll so überaus träge sei oder etwa keine Schmerzen empfinden würde. Die Katzen wurden nämlich wissenschaftlich untersucht mit dem Ergebnis: Sie sind durchschnittlich bewegungsfreudig und schmerzempfindlich, dabei sehr menschenfreundlich, schmusig und anhänglich und haben ein buchstäblich dickes Fell: es bringt sie so leicht nichts aus der Ruhe. Die ersten Züchter, die sich Exemplare dieser Rasse aus Amerika geholt hatten, waren sehr erstaunt darüber, daß auch Ragdolls verspielt sind und sogar auch die berühmten "verrückten fünf Minuten" haben können, in denen sie wie ein Irrwisch durch die Wohnung fegen. Erst im Kontakt mit dem Tier erkannten sie, wieviel sie von den Gerüchten und Berichten über diese neue Rasse glauben durften. So revidierten die Züchter in Deutschland schnell das Bild der "bewegungs-gehemmten" Katze. Übereinstimmend erzählten sie, daß diese Katzen wie Kletten an ihrem Besitzer hängen. Wenn das für die bedeutet, den ganzen Tag hinter ihrem Halter herzulaufen, tun sie das eben. Von Trägheit kann dann wirklich keine Rede sein. Die Ragdoll ist sehr extrem: beim Herumlungern, beim Spielen, beim Schmusen und eben auch in ihrer Menschenliebe. Voller Vertrauen legt sie sich erschlafft in seine Arme - alles Weitere ist seine Sache. Diese Eigenschaft war wohl auch bei den ersten Ragdolls das auffallendste Unterscheidungsmerkmal zu anderen Katzen. Sie gab der Rasse den Namen "Lumpenpuppe". Da die Stammutter der Ragdolls eine weiße Katze mit blauen Augen war, wundert diese Eigenschaft nicht unbedingt. Biologen wissen, daß Tiere dieser "Farbe" eher selten als temperamentvoll eingestuft werden. So ist der sanfte Charakter der Ragdoll als Nachfahrin einer weißen Hauskatze, auch ohne Autounfall-Märchen, erklärbar. Neben der Stammutter gibt es auch noch einen Stammvater, d.h. sogar mehrere. Hier fungierten Colorpointträger mit Weißscheckung. Die Nachkommen, die aus den jeweiligen Verbindungen stammten, ergaben schließlich die reinrassigen Ragdolls. Heute nach 35 Jahren Zucht sind sie eine Rasse mit festgelegtem Standard. Die echte Ragdoll - "genuine Ragdoll" (Solitär registry) Es ist ungewöhnlich genug, daß eine Katzenrasse bis zu ihren Ursprüngen zurückverfolgt werden kann. Aber weil dies möglich ist, wird es getan. So achten die Züchter der echten Ragdoll peinlich genau auf den Stammbaum und daß nirgends Fremdblut, z.B. eine Colorpoint-Perser oder eine Birmakatze, eingekreuzt wird. Sogar die Haltung von Ragdolls zusammen mit anderen Colorpoint-Rassen wie z.B. Birma, Balinesen usw. stößt bei einigen Züchtern der echten Ragdoll schon auf Unverständnis. Die Solitär-Organisation überprüft und speichert die Stammbaumdaten der Ragdoll. |
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